Es wurde bereits erwähnt, dass Verben drei unterschiedlich Modi haben. Die einfache Aussageform (der Indikativ), die Möglichkeitsform (der Konjunktiv) und die sogenannte Befehlsform (der Imperativ). Diese Modi können, wie in den vorigen Kapiteln gesehen, in verschiedenen Zeitformen auftreten.

Die deutsche Übersetzung des Wortes Imperativ als Befehlsform ist eigentlich falsch, denn in den seltensten Fällen wird mit dem Imperativ ein Befehl erteilt, wesentlich häufiger ist er Aufmunterung, Vorschlag oder Bitte.

Beispiele
Nimm noch etwas Kuchen ! (Aufmunterung)
Lass uns ausgehen! (Vorschlag)
Setzen Sie sich, bitte (Bitte)

Die oben stehenden Sätze können nicht als Befehl bezeichnet werden, denn der Befehl setzt ein Verhältnis der Unterordnung voraus, welches hier tatsächlich nicht besteht.

Der Imperativ wird im Deutschen für alle Personen, außer der 1. Person Singular, gebildet. Es ist ja auch nicht so einfach, sich selbst etwas zu befehlen/vorzuschlagen/sich aufzumuntern oder zu bitten:

Beispiel
2. Person Singular (du) Geh nach Hause!
3. Person Singular (er, sie, es) * Geh er nach Hause!
1. Person Plural (wir) Gehen wir nach Hause!
2. Person Plural (ihr) Geht nach Hause!
3. Person Plural (sie) Gehen sie nach Hause!

Selbstverständlich gibt es den Imperativ auch in einer verneinten Form:

Beispiel
2. Person Singular (du) Geh nicht nach Hause!
3. Person Singular (er, sie, es) Geh er nicht nach Hause!
1. Person Plural (wir) Gehen wir nicht nach Hause!
2. Person Plural (ihr) Geht nicht nach Hause!
3. Person Plural (sie) Gehen sie nicht nach Hause!

* Rein grammatikalisch macht diese Form wenig Sinn, denn der Imperativ setzt die direkte Ansprache voraus. Die Form bezieht sich auch nicht auf die dritte Person Singular im eigentlichen Sinne. Es ist eine veraltete Form für die zweite Person Singular, wie wir sie ab und an in Büchern finden. Für die dritte Person Singular im eigentlichen Sinne gibt es keinen Imperativ.