Nochmal: Der Konjunktiv unterscheidet sich formal nur ganz selten vom Indikativ. Dass es ihn überhaupt gibt, läßt sich nur aus den wenigen, allerdings hochfrequenten, Formen entnehmen, bei denen er sich vom Indikativ unterscheidet. Die Ausführungen hier sind also etwas "theoretischer" Natur, theoretisch betrachtet ähnelt er dem subjonctif des Französischen, hat aber nur ganz selten eine eigene Form.

Es gibt zwei Formen, den Konjunktiv I (Konjunktiv Präsens) und den Konjunktiv II (Konjunktiv Präteritum), die wir im Folgenden betrachten werden.

Im Deutschen hat der Konjunktiv folgende Funktionen:

Funktionen des Konjunktivs im Deutschen
indirekte Rede:
Petra sagte mir, sie sei frisch verliebt. (Konjunktiv I) / Petra sagte mir, sie wäre frisch verliebt. (Konjunktiv II)
Höflichkeit:
Könnten Sie mir sagen, wie Sie heißen?
Irrealität:
Es gibt niemanden, der es wüßte.
Bedingung:
Wenn ich Geld hätte, würde ich dir helfen.

Die Verwendung (in der Theorie*) ist im Englischen komplett verschieden zur deutschen Verwendung. Der Konjunktiv, bzw. ein Substitut dafür, steht im Englischen nach Ausdrücken der Irrealität, der Hoffnung, Angst oder Unsicherheit.

Beispiel
He pretends ... Er tut so als ob ...
It is possible ... Es ist möglich ...
It is important ... Es ist wichtig ...

Diese Einleitungen drücken aus, dass es sich um etwas handelt, was in irgendeiner Form möglich, aber doch irreal ist. 'Er tut so als ob' => Es ist nicht real...; 'Es ist möglich ...', aber nicht realisiert. 'Es ist wichtig ...' => ob diese Erkenntnis auch zur Umsetzung geführt hat, ist offen.

Im Gegensatz zum Deutschen, wird im Englischen in der indirekten Rede der Konjunktiv nicht verwendet, also nicht mal theoretisch. Der englische Konjunktiv ähnelt, theoretisch (ein hübscher Kalauer, stimmts?), dem französischen subjonctif, hat aber, von seltenen, wenn auch hochfrequenten Ausnahmen abgesehen, keine eigene Form, also eine Form, die sich vom Indikativ unterscheidet.

* Sie fragen sich jetzt vielleicht, hoppla, was ist denn das für ein Narrenschiff, die erklären etwas, was es nur in der Theorie gibt. Also nochmal, es gibt Sätze wie "If I were you, I would do it", anstatt, was falsch ist, "If I was you, I would do it". Hier haben wir (seltene Ausnahme, aber hochfrequentes Verb) tatsächlich einen Konjunktiv, were, der sich vom Indikativ unterscheidet. Aber in "If I aked her, she would lend me some money", haben wir asked, dieses aked ist ein Konjunktiv, das muss man aber fühlen, wissen kann man es nicht, denn asked ist eben auch ein schnödes simple past. Nach Verben des Verlangens (he pretends...), subjektiver Einschätzung (it is possible..) etc. steht im Englischen wie im Französischen der Konjunktiv, aber im Englischen merkt es in der Regel niemand, weil er sich vom Indikativ nicht unterscheidet.